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29. Juni 2009


Copyright: Jörg Hilpert
Am Montag, den 29. Juni 2009, fand in Vaihingen ein Treffen der Freunde der Universität statt. Nach dem unbefriedigenden Verlauf der offenen Diskussionsrunde mit dem Rektorat wollten wir zeigen, dass wir uns nicht verschaukeln lassen. Aus diesem Grund zückten wir, als Agenten in schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen, während der Rede des Rektors zur Lage der Universität, unsere Ferngläser, um zu verdeutlichen, dass wir ihm in Zukunft genau auf die Finger sehen werden. Dieser zeigte sich beeindruckt und sah sich sogar gezwungen, den studentischen Protest als persönlichen Angriff auf ihn und seine Familie zu diffamieren. Dennoch stieß die Aktion in Presse und Öffentlichkeit ausschließlich auf positive Resonanz.

Frag den Ressel

24. Juni 2009

Die Offene Diskussion mit Rektorat am 24.06. 09 erfreute sich einer regen Teilnehmerzahl. In dieser Diskussion informierte das Rektorat die Dozenten, Studierenden und sonstigen Teilnehmer über die zukünftig für die Teilnahme an der Exzellenzinitiative II benötigten 800 Millionen Euro, die Einrichtung von zwei Kommissionen zur Ausarbeitung konkreter Vorschläge zur Umstrukturierung der Universität und stellte sich einigen Fragen der Studierenden. Im Zusammenhang dieser Diskussion bot der Rektor Prof. Dr. Wolfram Ressel auch zukünftig weitere Gespräche mit den Studierenden und Dozenten über den aktuellen Entwicklungsstand der Umstrukturierungspläne an. Zudem forderte er die Studierenden dazu auf, die aktuellen Probleme der Universitäten in Deutschland weiterhin in der Öffentlichkeit zu behandeln.

Copyright: Jörg Hilpert

Lichterkette

23. Juni 2009

Da nun durch den Plan von Rektor Ressel nicht nur unsere Universität und Studierenden von den Streichungen betroffen sind, sondern auch die kulturellen Einrichtung der Stadt Stuttgart, galt es, dies der Öffentlichkeit zu zeigen. Zu diesem Zweck versammelten sich mehrere hundert Studierende und Freunde der Kultur am 23.06.2009 um 21 Uhr zu einer Lichterkette, um eben diese Verbindung zwischen den Studierenden und den kulturellen Einrichtungen zu verdeutlichen. Es wurde eine geschlossene Linie zwischen dem neuen Kunstmuseum, quer durch den Schlossgarten, hin zum Theater gebildet, welche der Öffentlichkeit deutlich die Wichtigkeit der Geistes- und Sozialwissenschaften für die ganze Stadt zeigte.

Copyright: Jörg Hilpert

Demo

18. Juni 2009

Die Demo am 17.06.09 bildete den Höhepunkt der bundesweiten Bildungsstreikwoche. Geschätzte 15000 Teilnehmer machten hier ihren Unmut über die aktuelle Bildungspolitik wie auch den Umstrukturierungsplänen des Rektorats Luft. Diese Pläne wurden in der ebenfalls an diesem Tag stattfindenden Senatssitzung diskutiert. Um zu verdeutlichen, welche Bedrohung derartige Umstrukturierungsvorhaben für den Kulturraum Stuttgart darstellen, wurden unter dem Motto: “Die Bildung flieht” bzw. “Auf Wiedersehen, Bildung” von Studierenden der Universität Stuttgart Luftballons in die Luft steigen gelassen.

Copyright: Jörg Hilpert

Für die künftigen Diskussionen mit dem Rektorat wurden die folgenden, grundsätzlichen Forderungen der Initiative Volluniversität in fünf Punkten formuliert und am Eingang des Rektorats angebracht:

1. Die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften müssen als eigenständige Fachdisziplinen in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben!

2. Die Teilnahme an der Exzellenzinitiative darf nicht auf Kosten des breiten Fächerkanons stattfinden!

3. Die Studierenden müssen bei allen Entscheidungen der Universität, besonders bezüglich der strukturellen Ausrichtung, einbezogen werden. Außerdem muss besserer Informationsfluss gewährleistet sein!

4. Das Lehramtsstudium und alle anderen an den Fakultäten 9 und 10 angesiedelten Studiengänge müssen in der jetzigen Form erhalten bleiben!

5. Auch Repräsentanten der Studierenden, des Lehramtstudiums sowie der Natur- und Ingenieurswissenschaften müssen in dem von ihnen neu gegründeten Gremium zur Strukturfrage vertreten sein!

Podiumsdiskussion der ZEIT

17. Juni 2009

Podiumsdiskussion der ZEIT vom 16. Juni 2009 zum Thema „Wofür brauchen wir noch Ingenieure?“ oder : „Zur falschen Zeit am falschen Ort“

Copyright: Jörg Hilpert
Dem Aufruf über den Wert und Unwert von Ingenieuren zu diskutieren, sind deutlich mehr Studenten, Gasthörer, Dozenten und Uni-Externe gefolgt, als erwartet. Grund hierfür gab, nicht zuletzt der von Rektor Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Ressel im Vorfeld vorgestellte „Masterplan“, der eine Neuausrichtung der Universität Stuttgart zugunsten der Ingenieurswissenschaften zum Ziel hat(te).
Die geladenen Podiumsdiskutanten waren:
Prof. Dr. Peter Frankenberg, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg
Dr. Wolfgang Malchow, Robert Bosch GmbH, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor
Prof. Dr. Sandra Richter, Universität Stuttgart, Institut für Literaturwissenschaft, Leiterin Abteilung Neuere Deutsche Literatur I
Ben Voss, Universität Stuttgart, Germanistik- und Philosophie-Student
Dr. Werner Widuckel, AUDI AG, Vorstand Personal- und Sozialwesen
Der Chefredakteur der ZEIT CAMPUS, Manuel J. Hartung, bemühte sich der eigentlichen Diskussionsfrage nachzugehen. Im Folgenden gaben sich die Vertreter der freien Wirtschaft sachlich: Es sei nicht nur günstig Geisteswissenschaftler und Ingenieure auf einem Podium zusammenzuführen, sondern zukünftig auch vermehrt in Großunternehmen, wie Bosch oder Audi zusammenarbeiten zu lassen. Die Grundidee, über ein sinnvolles Miteinander von Geisteswissenschaftlern und Ingenieuren in der Wirtschaft zu diskutieren, wurde durch die öffentlich gewordene „Diskussionsgrundlage“ zum Abbau der Geisteswissenschaften an der Uni-Stuttgart und die daraus resultierende Stimmung ihrer nötigen und neutralen Basis beraubt. Die Diskussion wurde durch Zwischenrufe aus dem Publikum, aber auch durch die eingeschränkte Flexibilität auf Seiten der externen Diskutanten an die gegenwärtigen Umstände, sowie dem weltfremden, mit der „bösen Wirtschaft nichts zu tun haben Wollens“ der geisteswissenschaftlichen Vertreter ad absurdum geführt. Erfreulich für die Studierenden der Universität war es jedoch Minister Frankenberg mit den Plänen des Rektorats zu konfrontieren und somit den Wert der Geisteswissenschaften in der Landeshauptstadt öffentlich bestätigt zu wissen.
Die Idee eine interessante Diskussionsrunde zu Stande kommen lassen, hatte gewiss Potential der bestehenden beidseitigen Fachidiotie, durch bessere Zusammenarbeit zwischen den Geisteswissenschaftlern und Ingenieuren, entgegen zu wirken. Des Weiteren hätten die Studierenden durch die Anwesenheit zweier Vertreter von Großunternehmen über alternative, zukünftige Berufsaussichten informiert werden können. Rückblickend war die Podiumsdiskussion wohl eher ein Paradebeispiel für die Redewendung „zur falschen Zeit am falschen Ort“.

Trauerfeier und Landesforschungspreis

16. Juni 2009

Eine insznierte Trauerfeier zum Tod der Volluniversität Stuttgart bildete den Auftakt der Bildungsstreikwoche. Zirka 300 Studierende fanden sich am Montag, den 15. Juni 2009, am Planetarium ein, um sich von dort aus in Form eines Trauerzuges zur Staatsgalerie zu begeben. Dort wurde neben einem eigens gebastelten Grabstein ein Kranz niedergelegt und eine Trauerrede gesprochen. Nach einer Trauerminute war der erste Teil unserer Veranstaltung vorbei. Ebenfalls an diesem Tag fand in der Staatsgalerie die Verleihung des Landesforschungspreises statt. Passenderweise war der Stuttgarter Geisteswissenschaftler Professor Pyta ein Preisträger. Um seine Leistung und sein bedrohtes Ressort zu würdigen überreichte jeder von uns ihm eine weiße Rose.

Copyright: Jörg Hilpert

Wie alles begann…

04. Juni 2009


Am Pfingstwochenende sickern erste Informationen eines Masterplanes zu den Fachschaften durch. Auch einige Dozenten schlagen Alarm. Wir berufen eine Plenumssitzung ein und formieren unseren Widerstand. Das ist die Geburt der Initiative Volluniversität. Für den nächsten Tag ist eine Pressekonferenz des Rektors geplant, bei der er seinen Masterplan vorstellen möchte. Obwohl Dozenten, Professoren und Studierende noch nicht über die Umstrukturierungen informiert sind, werden sie zu dieser Bekanntgabe explizit ausgeladen.

Wir lassen es uns dennoch nicht nehmen der Pressekonferenz einen kleinen Besuch abzustatten. Auch wenn sie geschickter Weise in die Ferien gelegt wird, schaffen wir es über Nacht über 100 Studierende zu mobilisieren , die frei nach dem Motto „Packt uns nicht in den Müll“ mit übergezogenen Mülltüten die Pressekonferenz stürmen. Das Medienecho ist groß und auch in der Bevölkerung stoßen die Pläne des Rektorats auf Unverständnis. Zumal die Umstrukturierungen kaum durchdacht sind und es auf viele Fragen keine konkrete Antwort zu geben scheint.

Wir wollen den landesweiten Bildungsstreik kommende Woche als Plattform für unseren Protest nützen. Wir verbringen das Wochenende damit verschiedene Info-Flyer zu entwerfen, um sie ab Montag an alle Studierende zu verteilen. An den Reaktionen unserer Kommilitoninnen und Kommilitonen wird uns klar, dass wir mit deren großer Unterstützung bei weiteren Protestaktionen rechnen können.